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17.04.2015

Sommer Diesel, Motor warm fahren?

Ich möchte hier einen etwas technisch angehauchten Beitrag zum Thema „Motor warm fahren“ posten, um mit einigen Mythen und grundsätzlichen Fehlern aufzuräumen.

Um zu verstehen, was da im Motor passiert, ist etwas Physik nötig. Die meisten Stoffe dehnen sich bei Erwärmung etwas aus, abhängig vom Material allerdings unterschiedlich stark!

Beispiel Ventiltrieb, bei betriebswarmem Motor müssen die Ventile im geschlossenen Zustand zwingend mit den Sitzflächen (Pfeile) voll auf den passenden Flächen im Zylinderkopf (Pfeile) aufliegen, um die im Ventil gespeicherte Wärme an den Kopf abzugeben.



Ist das Spiel zu klein, wird zumindest das Auslassventil (das kleinere) über kurz oder lang verbrennen.

Auf dem Bild ist zu erkennen, wie die Übertragung von der Nockenwelle bis zum Ventil erfolgt.

Alle technischen Zeichnungen ©Hatz



Das Spiel muss im kalten Zustand 0,1mm betragen, dann ist sichergestellt, dass auch bei warmem, bzw. heissen Motor das Ventil zu 100% schließt.

Man muss also begreifen, erst wenn der Motor volle Betriebstemperatur hat, herrschen überall die für den Betrieb optimalen Spiele

Wir starten einen kalten Motor, wo entsteht Hitze?
Natürlich im Brennraum, hier durch den Stern dargestellt



Zuerst wird der Kolbenboden heiss und dehnt sich aus



Der Kolben bewegt sich in einer Buchse, die wiederum sitzt im Gehäuse




Oben drauf abgeschlossen durch den Zylinderkopf, der natürlich auch schnell erwärmt wird. Der Knubbel in der Mitte ist die Einspritzdüse.



Die schwächsten Stellen sind die Stege zwischen Ventilsitz (EV= Einlassventil etc.)



Wenn man sich das Bild mit der Buchse und dem Kolben anschaut, wird klar, kurz nach dem Start wird der Kolbenboden, Buchse oben und Zylinderkopf schnell heiss, dehnt sich aus, während der Rest noch kalt ist. Der ganze Motor verzieht sich etwas, jage ich den kalten Motor gleich voll hoch, natürlich entsprechend stärker.
Wer bei Temperaturen unter +10° unterwegs ist, und die Öltemperatur messen kann, wird nachdenklich, das passiert wenig, 40≈50°für über 10 km Strecke.



Nun könnte man denken, alles klar, lasse den Motor halt minutenlang warm laufen.
Dazu schreibt Hatz folgendes:



Längeres Laufen ohne Last, stundenlanges Bummeln mag der Motor auch nicht:



Resümee:

Über Öl habe ich schon viel geschrieben, kann man nachlesen.
Kurzstrecken <10 allem="" bei="" daf="" den="" es="" f="" geeignetere="" gibt="" gift="" ist="" kalter="" km="" konzepte.="" motor="" p="" r="" umgebung="" vor="">Motor starten, maximal 30 Sekunden im Leerlauf tuckern lassen, dann losfahren und mindestens 10 km etwas behutsam mit der Gashand umgehen.

Ist wie mit dem Einfahren, der Motor platzt nicht, wenn ich ihn im Neuzustand Vollgas über die Piste jage. Kommt dann immer das Argument: Eine Rüttelplatte fährt auch keiner ein..
Der zerlegt sich auch nicht, wenn ich ihn jeden Morgen kalt in den Begrenzer drehe..

Aber: die Physik und Mechanik, Verschleißverhalten gelten für jeden Motor, egal ob in der Baumaschine, dem Pkw, Motorrad...
Bei höherer Kilometerleistung zeigen sich dann die Sünden, steigender Ölverbrauch, nachlassende Kompression.

Der Fahrer hat es im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand :=)

06.04.2015

Honda Wave 110i, Teil 2

Erste Erfahrungen, Details, Anmerkungen:

Motorräder, Roller mit kleinem Hubraum, Leichtkrafträder sind immer für Produzenten und Käufer diffizil. Wenig Hubraum bedeutet nicht automatisch, dass man wenig Qualität möchte. Gerade in Deutschland herrscht oft die Meinung vor, wer eine 500 er fährt, kann sich die 1000 er nicht leisten, armes Schwein :=)
Schon mit der Diesel stieß ich bei vielen auf völliges Unverständnis, 10 k€ für 11 Ps??? Ein klarer Fall für die Psychiatrie, wahrscheinlich Spätfolgen der Bundeswehr Einsätze..
Eine Honda Wave sieht aus wie ein Moped, kostet für den durchschnittlichen GS Fahrer maximal 50% seines Zubehörs, natürlich ohne Bekleidung, man wird dann schnell in die Hartz 4 Liga geschoben. Wer dann noch mit vernünftiger Motorradbekleidung auf der Wave sitzt, dem wird zur psychischen Störung gleich noch ein übersteigertes Sicherheitsbedürfnis attestiert :=)

Genug gelästert, gibt auch vernünftige GS Fahrer, war ich selbst einer (wenn auch mit 2-Ventiler)..
Eine Wave ist in ihrer Klasse nicht unbedingt das billigste Fahrzeug auf dem Markt, wobei es in Deutschland was vergleichbares eigentlich kaum gibt. Einige subjektive Bemerkungen zu Details, die mir so aufgefallen sind:

Motor:
Mit 16 (1970) fuhr ich eine Kreidler Florett RS, 6,25 PS! Irgendwann mit 17 dann die Honda Dax mit 4,5 Ps, 50 ccm Viertakter, hatte auch die Schaltwippe und Fliehkraftkupplung wie die Wave, mit der Dax sammelte ich erste Off Road Erfahrungen..
Grundsätzlich sah der Motor schon damals fast so aus wie heute, liegender Zylinder, Luftkühlung.
Die Welle hat nun brüllende 109 ccm, Bohrung 50 mm, Hub 55,6 mm, also fast schon ein Langhuber ;=) An meiner Begeisterung für den Durchzug des kleinen Motors hat sich nichts geändert, von 40 in der City bis knapp Tacho 100 alles in einem Gang, mit 100 kg und nicht wirklich schmächtigem Fahrer, schon eine Ansage.
Da ich es immer etwas genauer wissen will, kam ein Ölthermometer in den Einfüllstutzen.




0,8 Liter Öl sind nicht viel, man sollte meinen, einmal um den Block und dann ist die Suppe warm. Bei kühlen Aussentemperaturen (<=+5°) kommt man nach 20 km Landstrasse gerade so auf 60≈65°! In der City 40-50°. Bekannterweise haben luftgekühlte Motoren im Vergleich zu flüssigkeitsgekühlten deutliche Temperaturdifferenzen, je nach Bauteil. Der Kolben wird sehr schnell oben heiß, dehnt sich aus, währen der Zylinder gerade handwarm ist. Dresche ich das Motörchen kalt, wird der wohl nicht gerade blockieren, aber sicher stärker verschleissen. Gutes, teilsynthetisches Öl und eine Gashand mit Gefühl sind sicher Lebensverlängernd.

Der Motor hat keinen Ölfilter im herkömmlichen Sinn, nur ein Sieb und eine Zentrifugalfilter. Beide werden laut Plan nach 12.000 km gereinigt. Das Öl wird bei 1000 km, dann alle 4000 km gewechselt. Weil ich es für sinnvoll halte, kaufte ich bei Kellerharrer Customs eine Ablassschraube mit sehr starkem Magnet.




Zum Einbau, muss natürlich die ursprüngliche Ablassschraube raus, also stellte ich einen sauberen Messbecher unter, der Motor hatte da 200 km gelaufen, im Einfahrmodus mit stark wechselnder Drehzahl ohne Vollgas Orgien.  Die beeindruckenden Späne sind Produktionsrückstände sein, dass Motorspülen überlässt Honda vertrauensvoll dem Kunden :=) 
Bei mir fliegt das Öl nach 300 km raus, dann bei 1000 wieder in der Inspektion. Bin gespannt, was sich so an der Schraube ansammelt. Ein gutes Öl ist sicher nach 4000 km nicht am Ende, aber es gibt eben keinen Filter. 0,8 Liter sind zu verschmerzen.




Die Schraube wird einfach gegen das Original gewechselt, mit 21Nm angezogen. 






Getriebe / Übersetzung:

4 Gänge, Fliehkraftkupplung zum Anfahren-Anhalten, über Schalthebel betätigte Scheibenkupplung für den Wechsel der Gänge. Serienmässig 14-37 übersetzt, erscheint mir etwas zu kurz, im reinen City Einsatz mit 2 Personen vermutlich passend.




Ich bestellte bei Kellerharrer Customs ein 15 er Ritzel, mit knapp 4€ auch als Schwabe eine akzeptable Investition. Der Umbau stellt halbwegs Technik Affine vor keine größeren Probleme.






Bringt etwa 500 Umdrehungen im oberen Bereich



Erscheint mir harmonischer, ausserdem habe ich dann bei 90 nicht immer das Gefühl, der Kolben kommt gleich durchs Vorderrad geschossen.


Details Hinterrad:

Wie Anfangs angedeutet, unterliegen Konstrukteure oft dem Diktat der Kaufleute, billig, billig, billiger....


Erfreulicherweise ist das bei der Wave nur bedingt der Fall, möchte ich am Beispiel Hinterrad darstellen. Vernünftige Kettenspanner, Verschleißanzeige für Bremsbeläge.




Baut man das Rad aus, findet sich ein integrierter Ruckdämpfer, Kettenblatt wurde nicht einfach an die Trommel geschraubt.





Bremsankerplatte mit Belägen und Trommel





Das habe ich an deutlich teureren Zweirädern schon schlechter ausgeführt gesehen.


Zubehör:

Von Honda gibt es eigentlich nichts :=(
Ob das nur in Deutschland so ist, entzieht sich meiner Kentniss. Eigentlich seltsam, gerade so ein Fahrzeug ist prädisteniert für Einkäufe, tägliche Fahrten zum Job etc.

Der externe Zubehörmarkt ist überschaubar, Givi baut Scheibe, Topcase samt Halter, Puig Scheiben, Handschützer.

Die Givi Scheibe samt Halterung macht einen sehr robusten und hochwertigen Eindruck.







mit ABE, also legal und ohne Eintragung nutzbar.





Die Oberkante geht mir so etwa bis zur Nasenspitze, keine Windgeräusche, keine Verwirbelungen, guter Schutz gegen Kälte und Nässe. Ob sie hinsichtlich der Geschwindigkeit einen Einfluss hat, keine Ahnung, bin bislang nicht ohne gefahren.
Meiner Meinung nach ihr Geld wert.



Was sonst noch auffiel:

Der Motor lässt sich auch nach einer Nacht und bei um die 0° locker mit einem Tritt auf den Kicker starten, im Gegensatz zu der Diesel auch für 50 kg Mäuse ohne Probleme. Läuft sofort rund und angenehm leise.


Die Tankuhr erfordert Nervenstärke.




Der Tank fasst 3,7 Liter, laut Bordbuch, wenn die Nadel den roten Bereich berührt, sollen noch 0,98 Liter drin sein. Aha, 0,98 Liter, na ja, scheint ein hochpräzises Instrument zu sein, dass vermutlich Mondphase, Sonnenflecken und Luftdruck mit in die Berechnung integriert. Tank voll, Zeiger rechts am Anschlag, 100 km gefahren, Zeiger nähert sich rasant der Reserve Markierung. Nach etwa 125 km war der Zeiger links vom roten Feld, da habe ich dann langsam die Nerven verloren, Weichei eben, bin zur Tanke gefahren. 3 Liter gingen rein. Laut Aussagen erfahrener Innova und Wave Treiber soll der Verbrauch bei warmen Temperaturen und nach der Einfahrphase deutlich sinken, 1. Tanken 2,6 Liter, 2. Tanken 2,48 Liter / 100 km. Finde ich noch etwas hoch, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Zur Beruhigung meiner altersschwachen Nerven ist jetzt unter der Sitzbank ein Fuel Friend Plus mit einem Liter Sprit verstaut :=)
Na denn, raus auf die Kiste, fahren...




Ergänzend hier die Bilder mit Topcase Givi E300N2


Träger auch Givi, passt perfekt ohne Bohren, Biegen....